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Case Study — Nordsee-Hafen ersetzt Brückenwaagen-Stau durch Drive-Through-LiDAR
25. November 2025 · Sachtleben Technology
Die Ausgangs-Lage
Ein Nordsee-Hafenbetreiber wickelt im Schüttgut-Bereich (Düngemittel-Komponenten, Getreide-Importe, Kohle- Reste) an Spitzentagen über 800 LKW ab. Bis 2024 lief das über zwei klassische Brückenwaagen am Tor: anfahren, Wiegezelle stabilisieren lassen, Fahrer-Kommunikation, Wiegeschein, abfahren. Pro LKW im Schnitt 8–12 Min, an Spitzentagen Stau bis zurück auf die Bundesstraße. Drei Folgen: Beschwerden von Anwohnern, Pönale-Risiko gegenüber Speditionen, und ein 24/7-Schichtbetrieb am Wiege-Tor mit drei VZÄ.
Warum eine zweite Brückenwaage keine Lösung war
Der Engpass war nicht die Anzahl der Wagen, sondern der Mess-Vorgang selbst. Brückenwaage erfordert Stillstand des Fahrzeugs für stabile Anzeige (typisch 20–40 Sek), plus die Zeit für Anfahrt, Positionierung und Quittung. Eine zweite Waage hätte den Durchsatz verdoppelt — der Personal-Aufwand am Tor wäre mitgewachsen, und die Bauzeit für eine zusätzliche Eich-zugelassene Brückenwaage liegt bei 9–14 Monaten.
Die Installation
Im April 2025 wurde OWL EYE® TERMINAL als Doppelportal installiert: zwei drive-through-Messstationen mit jeweils einem Multi-Sensor-Cluster oben und seitlich. Der LKW fährt mit 10 km/h durch — das LiDAR-System scannt Volumen und Geometrie der Ladung vor und nach Beladung, die Differenz ist die abgegebene/aufgenommene Menge. Eich-konform nach OIML R 134 für Volumen-basierte Mengenerfassung im Handelsbetrieb. Anbindung an das Hafen-TOS und an das vorhandene Wiegeschein-Drucksystem.
Die Brückenwaagen blieben
Eine der beiden bleibt als Backup-System und für Sonderfälle (Schwerlast außerhalb der Standard-LKW-Geometrie). Die zweite wurde stillgelegt — der Platz wird jetzt für eine zusätzliche Drive-Through-Spur genutzt.
Was sich geändert hat — nach 7 Monaten Betrieb
| Position | Brückenwaage | OWL EYE® TERMINAL |
|---|---|---|
| Wartezeit pro LKW | 8–12 Min | unter 30 Sek |
| Durchsatz pro Stunde | ~50 LKW (eine Wage) | ~180 LKW (Doppelportal) |
| Personalbedarf am Tor | 3 VZÄ im 24/7-Schichtbetrieb | 1 VZÄ Tagschicht (Aufsicht) |
| Eich-Konformität | MID/Klasse Y | OIML R 134 für Volumen |
| Witterungs-Empfindlichkeit | Wind, Frost (Wiege-Brücke vereist) | Regen unkritisch, Schneefall mit Heiz-Optik |
| Wartung pro Jahr | ~120 h (Lager, Wiegezellen, Kalibrierung) | ~20 h (Sensor-Sicht, Optik-Reinigung) |
| Investition Größenordnung | mittlerer sechsstelliger Betrag pro Wage | mittlerer bis hoher sechsstelliger Betrag (Doppelportal komplett) |
Die operative Veränderung — in einem Satz
Die Schicht am Wiege-Tor existiert nicht mehr. Nachtbetrieb läuft personalfrei mit automatischer Tor-Steuerung; bei Anomalien (z.B. ungewöhnliche Ladungs-Geometrie) wird ein Mitarbeiter aus der Hafen-Leitstelle per Kamera und Sprechanlage hinzugeschaltet. Die täglich freiwerdende Personal-Kapazität wurde nicht abgebaut, sondern in den Anlagen-Service umgesetzt — wo seit Jahren Personalmangel besteht.
ROI in einer Größenordnung
Aus den eingesparten Schichten (Nacht plus Wochenende, mehrere VZÄ) ergibt sich eine vier-stellige Stunden-Einsparung pro Jahr — in Vollkosten umgerechnet eine hohe sechsstellige Position. Das Doppelportal amortisiert sich nach Aussage des Betreibers in unter 30 Monaten, ohne dass die weicheren Effekte (kein Stau auf der Bundesstraße, weniger Spediteur-Beschwerden, schnellere Schiffs-Beladung) eingerechnet werden.
Was nicht versprochen wurde
Eich-konforme Volumen-Erfassung ersetzt nicht in jedem Land und nicht für jedes Material die Massen-Wiegung — bei Düngemitteln und Getreide funktioniert es, bei Schüttgütern mit unbekannter oder stark schwankender Schüttdichte bleibt eine Brückenwaage nötig. Der Hafen entschied sich daher bewusst für die hybride Lösung: Drive-Through für 90 % der LKW, Brückenwaage als Backup für die übrigen 10 %.
Was der Betreiber im Rückblick sagt
Der entscheidende Effekt ist nicht die Eich-Konformität (die ist die Voraussetzung), sondern die Tatsache, dass der Wiege-Vorgang aufhört, ein operativer Engpass zu sein. Sobald LKW-Abfertigung in Sekunden statt Minuten passiert, verschwindet das Thema „Tor" aus der täglichen Betriebsbesprechung — und das ist messbar: bei diesem Hafen sind die wöchentlichen Eskalationen rund um das Wiegetor von 12–18 auf 0 gefallen.
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